Blinkend gegen den Toten Winkel

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Blinkend gegen den Toten Winkel
© Axel Hindemith, CC-by-sa-3.0 de
Von Ernest Mitschke und Daniel Hautmann

Bike-Flash soll Leben retten. Und zwar das von Radfahrenden. Das System hilft aber genauso Lasterfahrern, indem es die Kraftfahrer vor gefährlichen Abbiegesituationen, dem sogenannten Toten Winkel, warnt. Denn immer wieder passieren beim Abbiegen an Kreuzungen tödliche Unfälle.

Das System kann an bestehende Masten angeschraubt werden und besteht aus Wärmesensoren, die bis zu 16 Meter weit schauen und Personen detektieren. Befindet sich ein Mensch im Gefahrenbereich, so leuchten am Mast Signallichter auf und warnen den Kraftfahrzeugfahrer.

Kreuzungen, Ausfahrten, Einmündungen

„Bike-Flash ist überall einsetzbar, wo gefährliche Verkehrssituationen entstehen können, vor allem an unübersichtlichen Kreuzungsbereichen mit und ohne Ampelanlage, an Einmündungen sowie bei Ein- und Ausfahrten, zum Beispiel bei Betriebsgeländen oder großen Parkplätzen, die von einem Fahrradweg gekreuzt werden“, sagt Martin Budde, der Erfinder des Systems.

Beim Rechtsabbiegen ist der Bereich unmittelbar rechts neben einem Lkw aber auch kurz hinter einem Pkw als toter Winkel schlecht einsehbar. Vorhandene Spiegelsysteme können dieses Problem in der Regel nicht ausreichend lösen. Wird ein anderer Verkehrsteilnehmer im Wärmebild erkannt, werden die Leuchtbügel dieser Lichtzeichenanlage aktiviert. Diese blinken in unterschiedlichen Höhen, so dass sie während des gesamten Abbiegevorgangs sowohl aus dem hohen Lkw als auch aus dem niedrigeren Pkw zunächst im Sichtbereich der Frontscheibe, dann im Beifahrerfenster und anschließend auch im Rückspiegel erkennbar bleiben.

© Axel Hindemith, CC-by-sa-3.0 de
Erste Anlage in Garbsen

Das erste System wurde im November 2018 in Garbsen bei Hannover installiert. Und prompt gab es kontroverse Diskussionen: darüber, ob Bike-Flash überhaupt erlaubt ist und nicht wieder zurückgebaut werden sollte. Der Streit ob das System regelkonform ist, wurde vom Bund-Länder-Fachausschuss, einem Gremium der Verkehrsministerien, ausgelöst. Es folgerte, dass das System unzulässig sei, da es Autofahrer irritieren könne. Die Garbsener Stadtverwaltung bleibt vorerst gelassen: „Vorschriften gibt es überall“, sagte Sprecher Benjamin Irvin. Es komme darauf an, neue Wege zu gehen um eine neue Technik auszuprobieren.

Nötig sind derartige Tests allemal: Bundesweit sind 2018 30 Radfahrende von Lkw beim Rechtsabbiegen getötet worden. Eigentlich sollten derart schrecklichen Zahlen alle Kräfte mobilisieren, aber unser Verkehrsministerium und andere Unternehmen tun so gut wie gar nichts, oder streiten sich wie hier darüber, ob kleine blinkende Lichter Autofahrer irritieren könnten. Dabei ist die Testanlage in Garbsen auch ein gutes Beispiel dafür, wie Kommunalpolitik und damit engagierte Bürger einspringen können, wenn die große Politik versagt.

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