Helmpflicht für Autofahrer

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Helmpflicht für Autofahrer
Von Heinrich Strößenreuther

Eine Helmpflicht für Autofahrer und Fußgänger könnte mehr Leben schützen. Denn: Auf jeden getöteten Radfahrer kommen 1,5 Fußgänger und 4,5 Autofahrer mit tödlichen Kopfverletzungen. Eine Helmpflicht für Radler ist nicht verfassungskonform und bekämpft Symptome. Statt über Helme zu diskutieren sollten wir Ursachen beseitigen: Aufprallgeschwindigkeiten senken, sicherer Radwege bauen oder z.B. Fahrverhalten von Kraftfahrzeugführern regelmäßiger prüfen.

Die jüngsten Studien zu der Wirkung der Helmpflicht kommen zu positiven Wirkungsergebnissen: Eine Helm aufzusetzen, hilft, keine Frage. Aber wird da nicht einseitig nur auf Radfahrer geschaut? Und die Ursachen vergessen?

Häufigste Verletzung

Die Häufigkeit von Kopfverletzungen bei Schwerstverletzungen oder tödlichen Unfällen sind bei Fußgängern, Rad- und Autofahrern nahezu gleich. Das belegt eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen von 2009: Zwischen 64 % – 68 % bei Schwerstverletzten und 85 % – 89 % bei Getöteten sind Kopfverletzungen die häufigsten Verletzungen. Bzgl. der absoluten Zahlen für Getötete im Straßenverkehr (2011) kommen damit umgerechnet auf jeden getöteten Radfahrer 1,5 Fußgänger und 4,5 Autofahrer. Selbst wenn man die zurückgelegten Kilometer betrachtet, ist es 2,6 mal wahrscheinlicher, je Autokilometer an einer Kopfverletzung zu sterben als je Fahrrad-Kilometer.

Wenn es also um die Reduktion von Sterbefällen geht, dann sollten Autofahrer und Fußgänger so schnell wie möglich Helme tragen: Die Helmpflicht müsste zuerst bei den Autofahrern ansetzen (Anm: Das ist ironisch gemeint).

Aufprallgeschwindigkeit

Die gleiche Studie zeigt aber auch Ursachen auf: Die Schwere und Häufigkeit von Schwerstverletzungen und Getöteten hängt eindeutig von der Aufprallgeschwindigkeit ab. 98,8 % dieser Unfälle passieren bei Aufprallgeschwindigkeiten kleiner 22 km/h. Die schweren Unfälle, also mit Schwerstverletzten und Getöteten, weisen dagegen im medianen Mittelwert Differenzen von 30 – 50 km/h zwischen Kraftfahrzeug und Radfahrer auf.

Bei einer Differenzgeschwindigkeit von 50 km/h entspricht die Aufprallwucht übrigens einem Sturz vom Zehnmeter-Turm ins leere Schwimmbad. Niemand würde ernsthaft glauben, dass ein Helm hier einen Genickbruch oder andere Todesursachen verhindern könnte. Abzustreiten ist jedoch nicht, dass ein Helm bei leichten Unfällen so manche Beule oder Schlimmeres verhindert – nur sollte der Helm weder überbewertet noch Ursache mit Wirkung verwechselt werden.

Niedrigere Geschwindigkeiten

„Wenn man es also ernst meint und Kopfverletzungen reduzieren will, dann bitte Werbe- und Politik-Kampagnen starten, damit Autofahrer und Fußgänger Helme tragen“, sagt Heinrich Strößenreuther mit einem ironischen Augenwinkern. „Was wir tatsächlich jedoch brauchen, sind deutlich niedrigere Geschwindigkeiten, mehr Können und Aufmerksamkeit von Kraftfahrzeuglenkern, jährliche Fahrkönnen-Überprüfungen und sichere und ausreichend dimensionierte Fahrrad-Infrastrukturen. Die Niederlande und Dänemark sind da Vorbild – Helme sind dort wenig auf den Köpfen der Radfahrerinnen und Radfahrer zu sehen.”

Gegen solche PR-Kampagnen haben wir uns auch schon mal für den Bundesverkehrsminister ausgezogen nach dem Motto “DankHelm #BesserObenOhne” und haben damit eine 1,5 Mio. € teure PR-Kampagne für die Helmpflicht geknackt, bevor sie richtig losging“.

Nicht verfassungskonform

Abgesehen davon ist eine Helmpflicht nicht verfassungskonform: “Die materielle Verfassungsmäßigkeit der vorgesehenen Regelung stößt somit auf Bedenken”, so der Abschlussbericht der vom Thüringer Ministerium für Verkehr einberufenen Expertenkommission auf Seite 22.

Die BILD/BZ in Berlin berichtet ganzseitig dazu am 15.10.14 unter dem Titel “Helmpflicht für Autofahrer und Fußgänger gefordert” und kommt zu dem Fazit, dass man über das Helm-Tragen doch lieber selber entscheiden wolle. Genau das gilt auf für Radfahrer: Keiner muss, jeder darf. Weiter über Helme zu diskutieren, lenkt von dem ab, was wichtig ist: unfallvermeidende Geschwindigkeiten, Regeln einhalten und sichere Radverkehrsinfrastrukturen.

Der Beitrag wurde suumo mit freundlicher Genehmigung von Heinrich Strößenreuther (Agentur für clevere Städte) zur Verfügung gestellt. www.clevere-staedte.de

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