Mikromobilität: Skaten mit Rückenwind

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Mikromobilität: Skaten mit Rückenwind

© by Mellow Boards

Von Daniel Hautmann

Mein linker Fuß krallt sich vorn auf dem Brett in den Belag, mit dem rechten stoße ich mich kräftig auf dem Asphalt ab. Ab jetzt stehe ich mit beiden Füßen auf dem „Mellowboard“  und gleite von ganz allein über die Straße. Denn in der Hand halte ich eine kleine Fernbedienung, die über Bluetooth mit dem Antrieb des E-Skateboards kommuniziert. Schiebe ich den Regler nach vorn, beschleunigt das Brett. In die entgegengesetzte Richtung bremst es.

Helm tragen!

Klingt ganz einfach. Ist es aber nicht. Wer, wie ich, eine eher laienhafte Skater-Vergangenheit hat, dürfte auf den ersten Metern etwas wacklig unterwegs sein. Schnell klappt es besser und der Fun-Faktor steigt. Sicherheitshalber haben die Hamburger Macher des Boards verschiedene Fahrmodi eingebaut, die sich über die Fernbedienung wählen lassen. Absolute Beginner wie ich starten als „Rookie“. Wer das meistert, schaltet auf „Eco“ hoch. Jetzt geht’s flotter zur Sache – das Board beschleunigt und verzögert rasanter. Wer sich in den Olymp der „Pros“ skaten will, muss mindestens 30 Kilometer gefahren sein, erst dann schaltet die Software die volle Leistung frei. Dann geht’s mit bis zu 40 Stundenkilometer zur Sache. Fahrfehler werden prompt bestraft. Also Helm tragen!

Lithium-Ionen-Akku
© by Mellow Boards

Gespeist werden die beiden eigens entwickelten und je drei Newtonmeter starken Radnabenmotoren (die meisten anderen E-Skate-Anbieter verbauen Riemenantriebe) von einem 99 Wattstunden starkem Lithium-Ionen-Akku, dessen Ladestand direkt am Board angezeigt wird oder auf der zugehörigen App. Die Motoren rekuperieren sogar, laden beim Bremsen also den Akku. Eine Akkuladung reicht bis zu 15 Kilometer weit. Wer saftlos am Straßenrad strandet, muss ganz schön treten, um mit dem rund fünf Kilo schweren Board nach Hause zu kommen, wie der Test zeigte. Das Aufladen dauert dann drei bis vier Stunden. Schneller geht’s mit dem Schnelllader, der den 25-Volt-Akku in 45 Minuten vollpumpt.

Surf- oder Snowboardfeeling

Die Idee der Mellowboard-Macher ist es, das Surf- oder Snowboardfeeling auf die Straße zu bringen und den „endless ride“ zu ermöglichen: große lange Schwünge über den Asphalt. Ist geglückt! Doch den beiden Geschäftsführern Johannes Schewe und Kilian Greene geht es nicht nur um den Fahrspaß. Die beiden haben die Vision der nachhaltigen Mobilität in unseren Städten. Das Board soll eine innovative, emissionsfreie Alternative zu Autos, Bussen oder Rollern liefern und ist eine intelligente Lösung für das Zurücklegen kurzer Strecken.

In der Tat: auf sauberem Asphalt ist so ein E-Board eine ernstzunehmende Fortbewegungsalternative, die nicht nur geschickt, sondern auch noch sportlich ist und extrem Spaß macht.

© by Mellow Boards
Gehäuse aus Magnesium

Dass die Hamburger mit ihrem Antrieb keinen Elektroschrott entwickelt haben, zeigt allein der Preis: 1799 Euro (ohne Board!). Das Set ist monströs solide, das Gehäuse besteht aus Magnesium, alles hat Autoindustriestandard. Der Antrieb ist sogar wasserdicht (IP 65). Das mit solch einem „Spielzeug“ der Berg an Elektromüll nicht kleiner wird, muss dennoch jedem klar sein.

Gesetzgebung fährt hinterher

Ernst zu nehmen sind solche „Light Electric Vehicels“ in jedem Fall. Im Ausland sind Fahrzeuge wie E-Roller, E-Skateboards oder auch Segways längst anerkannte Verkehrsmittel – mit entsprechender geregelter Gesetzeslage. Die Autonation Deutschland tut sich da noch schwer. Wer mit einem E-Skateboard auf der Straße, den Geh- oder Radweg erwischt wird, muss mit einer Strafe rechnen. Zudem steht er im Schadensfall ohne Versicherungsschutz da. Das wird sich aber hoffentlich bald ändern, ein entsprechendes Gesetz ist in Arbeit.

© by Mellow Boards

Fazit: so ein Board ist nicht nur was für Faule. Für Pendler, die mit dem Board morgens zur Arbeit rollen und dabei gleich noch eine Runde carven wollen ist es eine Eins-A Alternative zum Auto.

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